Suizidhinterbliebene Basel / Postfach / 4144 Arlesheim                                                                                                                                                                                                        suizidhinterbliebene@gmx.ch

 

Wir haben die Texte als Betroffene für betroffene Hinterbliebene verfasst, mit all unserem aktuellen Wissen und unserer grösstmöglichen Sorgfalt. So sind all die Komplexitäten der einzelnen Themen nicht vollständig und die Formulierungen sind auch so gewichtet, wie wir sie persönlich und aktuell in die Öffentlichkeit bringen möchten. Wir sind in einem Prozess und so ist es auch unsere Homepage.
Wir nehmen gerne Rückmeldungen entgegen.

Gestaltung: www.freeworkmedia.ch

Er kann auch als eine Abfolge von verschiedenen Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, verstanden werden.

Wir wählen diese Betrachtungsweise, sie stammt von J. Williams Worden.

DIE VIER TRAUER-AUFGABEN

Der Trauerprozess für Hinterbliebene wird von verschiedenen Autoren als Trauerarbeit mit vier Phasen beschrieben.

Bei einem Suizid fehlt oft die reale Erfahrung mit dem Sterben und dem Tod.

So haben Trauernde noch jahrelang das Gefühl, dieser Tod sei nur ein böser Traum. Zum Teil gibt es überhaupt kein Bild des Verstorbenen, weil er verschwunden bleibt, oder der Suizid ist so plötzlich und unerwartet, dass er nicht wirklich integriert werden kann.

 

Wie es danach, nach dieser Form von Tod, weitergeht, ist dementsprechend besonders wichtig. Wenn immer möglich, sollte es die Möglichkeit geben, den Verstorbenen zu sehen und zu verabschieden. Oder wenn er vermisst bleibt, sollte eine symbolische Form gefunden werden, ihn zu verabschieden. Um den Tod zu „begreifen“ muss der Tod greifbar und real sein. Es ist schon schlimm genug, dass der Beziehungsbruch unfassbar ist und die Fragen nach dem Warum nie beantwortet werden können.

Um die Wirklichkeit des Todes weiter fassbarer zu machen, ist auch das Zeigen des Schocks und des Schmerzes wichtig. Trauernde neigen aber dazu, sich eher von der Welt abzuwenden und zu glauben, dass niemand sie verstehe oder sie eine Zumutung seien. Auch Aussenstehende distanzieren sich, da sie sich in ihrer Hilflosigkeit nicht trauen, auf die Betroffenen zuzugehen. Diese Rückzugstendenzen von allen Beteiligten behindern die Notwendigkeit, den Suizid als Wirklichkeit annehmen zu müssen.

 

Im Gegensatz dazu „erleichtern“ die gezeigte Betroffenheit, die Einfühlung, die Anteilnahme den Prozess des Abschiedes und der Trauer. So wird es auch möglich, die Realität des Todes miteinander auszuhalten und zu tragen - mit seiner ganzen Brutalität.

DIE WIRKLICHKEIT DES TODES BEGREIFEN

Nach dem Schock und dem vorerst nicht wahrhaben Wollen geht es darum, sich langsam bewusst zu werden, dass der Tod Wirklichkeit ist.

DIE VIELFALT

DER GEFÜHLE

Das erste Trauerjahr ist ein Ausnahmezustand. Es muss eine innerliche Trennung von der gehabten Bindung vollzogen werden. Gefühle wie Verzweiflung, Trauer, Angst, Wut, Sehnsucht, Schuld und Scham gehören dazu.

Schuldgefühle nehmen nach einem Suizid häufig viel Raum ein. Das liegt auch an den äusseren Umständen: die erste Begegnung nach dem Ereignis ist diese mit der Polizei. Sie muss ermitteln, ob möglicherweise ein Verbrechen vorliegt. Angehörige werden als Zeugen vernommen, sogar als mögliche Verdächtige angesehen.Auch die Hinterbliebenen selbst stellen sich die Frage der Mitverantwortung, der Schuld: es hätte doch möglich sein sollen, die Tragödie zu verhindern.Ebenso fragen Aussenstehende nach dem „Warum“, ihr Interesse gilt dem Verstorbenen und seinen Motiven. Hinterbliebene werden von ihnen allenfalls als mögliche Verursacher des Suizids gesehen. Das Thema „Schuld“ ist sehr präsent.
 

Schamgefühle sind ebenfalls Teil der Erfahrung als Hinterbliebene. Sich schämen, dass es nicht zu verhindern war. Sich schämen, dass das Unfassbare in ihrer Familie geschehen ist. Sich schämen für all die neuen Abhängigkeiten aufgrund der benötigten Hilfe. Sich schämen für die vielen endlosen Tränen.

Traurigkeit gehört auch zum Trauerprozess: Wehmut über die Trennung; Sehnsucht nach dem Verstorbenen und dem gemeinsamen Alltag; Verzweiflung, so auf sich selbst zurückgeworfen zu sein und allein weiter gehen zu müssen; Mut- und Hoffnungslosigkeit, nicht wissen wie weiter. Es ist schwierig, Tränen zu zeigen. Auch die Hilflosigkeit des Umfeldes verleitet einen zusätzlich dazu, Tränen zu verbergen. Dieses allein Sein verstärkt wiederum die Traurigkeit.

Wutgefühle – auch sie gehören zu jedem Trauerprozess – sind schwierige Gefühle nach einem Suizid. Wie ist die Wut zu rechtfertigen, wenn sie sich gegen einen Menschen richtet, der sich das Leben genommen hat? Er sollte nach allgemeiner Meinung bedauert werden. Und doch gehört die Wut dazu: Warum hast du mich im Stich gelassen? Warum gab es keinen anderen Ausweg? Warum hast du dir nicht helfen lassen? Warum hast du nicht geredet?

Angstzustände
gehören zu den lang andauernden Begleiterscheinungen nach einem Suizid. Mit diesem gewaltsamen Tod werden Ohnmacht und Vergänglichkeit des Lebens schmerzlich bewusst. Vielleicht war auch die Beziehung vor dem Suizid schon von Angst geprägt: Rückzugstendenzen, Aggressivität, Suiziddrohungen. Oder die Sorge um den Angehörigen mit seinem Leiden war eine Belastung.Auch die Zukunft bereitet Angst: der Einbruch ist gross, der Verlust schmerzhaft, wie schaffe ich das alleine, wer steht mir bei?

Es ist möglich, dass Sie es alleine nicht schaffen. Dann suchen Sie professionelle Hilfe. Eine erste Ansprechperson kann Ihre Hausärztin / Ihr Hausarzt oder die Seelsorge Ihres Wohnortes sein. Reden Sie über das Ereignis, über Ihre Trauer und Ihre Sorgen, wie es weiter gehen kann.


 

Der Rückzug, die Flucht, weg von allem und allen, die weitere Verletzungen zufügen könnten, ist eine natürliche Reaktion auf den Schock. Gleichzeitig sehnt man sich nach Geborgenheit und Verständnis, was nur andere Menschen geben können. Es braucht also Phasen von Rückzug und Phasen von Zuwendung. Die meisten Trauerprozesse enthalten lange und intensive Phasen des Rückzuges. Freunde und Familie tun sich oft schwer mit diesen Rückzugsbedürfnissen.
Wenn der Schock abklingt und die Wirklichkeit des Unglücks langsam bewusst wird, fühlen sich die meisten Menschen noch nicht bereit, sich mit den Auswirkungen auf ihr eigenes Leben auseinanderzusetzen. Das Leben wird weiter gelebt wie zuvor. Das sich Hineinstürzen in Aktivitäten ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses. Die Anpassung an eine neue Lebenssituation wäre ohne diese Bereitschaft, sich ablenken zu lassen, gar nicht zu bewältigen. Es ist sinnvoll, geduldig zu warten, bis so viele innere und äussere Sicherheiten zurückgewonnen sind, dass ein Innehalten möglich wird. Das kann zwei bis drei Jahre dauern.

Trauern ist die Folge eines Verlustes und die Anpassung daran, ohne diesen vertrauten Menschen weiterzuleben. Der Verstorbene fehlt nicht nur in der Alltagsgegenwart, sondern auch in der Vergangenheit, über die er keine Auskunft mehr geben kann, und in der Zukunft, in der er keinen Platz mehr haben wollte. Dieses Fehlen ist noch schmerzhafter dadurch, dass dieser Mensch aus eigenem Entschluss gestorben ist. Dieses Zurückweisen der Bindung ist ungeheuerlich schmerzhaft. Es erschüttert bei den Hinterbliebenen den Glauben an den eigenen Wert und die Bedeutung, die man für andere Menschen haben kann. Nur wenige Menschen müssen sich im Laufe ihres Lebens so grundsätzlich mit sich selbst, ihrem Wert und ihren Gefühlen auseinandersetzen.

SICH EINER UMGEBUNG ANPASSEN,
IN DER/DIE TOTE FEHLT

Der Trauerprozess ist der Übergang von einer Lebenssituation mit einem Menschen zu einem Leben ohne diesen Menschen.

DER ODER DEM TOTEN EINEN NEUEN PLATZ GEBEN UND SICH DEM EIGENEN LEBEN ZUWENDEN

Wenn eine gewisse innere und äussere Sicherheit erreicht wurde, kann jetzt ein Rückblick auf die verlorene Beziehung gewagt werden.

Oft wollen sich Trauernde nach einem Suizid gar nicht erinnern, zu viel Schrecken und Schmerz ist damit verbunden, oder nur wenige Szenen können erinnert werden, oder man kann an gar nichts anders denken als an die Vergangenheit.
Und doch ist es wichtig, sich zu erinnern: an die gemeinsame Geschichte, die weit mehr beinhaltet als nur den gewaltsamen Tod. Die Todesursache führt häufig dazu, dass Hinterbliebene die ganze Beziehung neu interpretieren und nicht mehr glauben, was vorher war. Die Umstände des Todes sind nur ein Teil der gemeinsamen Verbindung, es gab eine Zeit vorher.
Es erfordert Zeit und Geduld, um zu ergründen, was ein verstorbener Mensch für das eigene Leben und Empfinden bedeutet hat. Ein neuer Platz muss dem ganzen Menschen gelten, der durch Suizid verstorben ist.
Erinnerungen können auch ausgetauscht und erweitert werden durch weitere Erfahrungen, die andere Menschen mit dem Verstorbenen gemacht haben.

Dieses gemeinsame Erinnern kann sehr wohltuend und verbindend sein.
Ein dauerhafter Platz für den Menschen, der nicht mehr lebt, pendelt sich im Laufe der Jahre ein.
 
Das Abschiednehmen ist ein schrittweiser Prozess, ein langsames sich Lösen von alten Bildern, Hoffnungen und Träumen. Loslassen ist eine Bewegung, die Veränderung bringt, denn das, was losgelassen wird, hinterlässt eine Lücke. Loslassen heisst immer wieder reden, weinen, wüten, erinnern, fantasieren…  Es lässt sich aber nichts erzwingen. Trauernde entscheiden im Laufe der Trauerjahre immer wieder neu, was bleiben kann und was sie loslassen wollen.
 
Ganz bedeutend für eine Verarbeitung ist die Bereitschaft der Hinterbliebenen und ihres Umfeldes, sich den neuen Lebensumständen zu stellen.

HIER FINDEN SIE FACHLICHE HILFE:

Es ist möglich, dass Sie es alleine nicht schaffen. Dann suchen Sie professionelle Hilfe. Eine erste Ansprechperson kann Ihre Hausärztin / Ihr Hausarzt oder die Seelsorge Ihres Wohnortes sein. Reden Sie über das Ereignis, über Ihre Trauer und Ihre Sorgen, wie es weiter gehen kann.


 

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